01. Mai 2015 · Kommentare deaktiviert · Kategorien: Reiseberichte

Bericht von der 5. Reise nach Afrika Burkina-Faso

Worin liegt der Sinn dieser Reisen?
Diese Frage beschäftigt mich seit Jahren. Ein Antwort und absolute Priorität ist die, dass wir Kindern die Möglichkeit geben, die Schule zu besuchen.
Aus meinem Reisebericht können sie ersehen, welche anderen Versuche ich in verschiedenen Richtungen gemacht habe.

Die Vorbereitungen sind aufwendig, da ca. 100 Schreiben übersetzt werden müssen. Dazu kamen 2 vom Landratsamt gespendete Solarkocher mit jeweils 17 kg, die umgepackt werden mussten. Glücklicherweise war Peter Strohecker dabei, so dass wir mit 4 Koffern mit je 23kg, plus 2 gespendeten Laptops in einer Hand völlig ausgelastet waren.

09.01.15
Diesmal mit Brüssel Air-Line ging alles gut. Selbst den Zoll in Ouagadougou konnte ich von dem sinnvollen Gebrauch der Solarkocher überzeugen. Die Sahara war von einer geschlossenen Wolkenschicht verdeckt und nur Algerien war noch sichtbar.

10.01.
In Ouaga angekommen fahren wir zu dem ca. 35 km entfernten Operndorf von Schlingensief, um zu sehen, was aus den Millionen deutscher Spenden geworden ist. Das im letzten Jahr fertiggestellte Krankenhaus wird von einem Zahnarzt mit Notkoffer betrieben und Kinder sollen dort auch schon das afrikanische Licht erblickt haben. Bei unserem Besuch war keiner da.

Interessant sind die Steinmetzskulpturen auf dem umliegenden Gelände.
Auch ein Besuch im Kunsthandwerkszentrum von Ouaga gehört zum Programm, dort kennt man sich schon.

11.01.
Mit Götz Krieger, dem Vizepräsidenten von ASAO dürfen wir bis Bobo-Diolasso fahren. Er verbringt den größten Teil des Jahres in Burkina-Faso, um die vom „Solidaritätskreis Westafrika“ gebauten Schulen (über 20 im Jahr) zu überwachen. Er ist mit seinem eigenen Auto zweimal von Deutschland nach Burkina gefahren. Der Anschluss mit dem öffentlichen Bus gelingt uns auf die Minute. Die letzte Wegstrecke auf der neuen Straße nach Sindou legen wir mit dem PKW zurück, der nur nach mehrmaligem Anschieben glücklicherweise dort ankommt.

12.01.
Beim täglichen Gang zum Bäcker erlebe ich die erste Überraschung. Der Ofen ist kalt, kein Bäcker weit und breit.

Nachgefragt finde ich eine große nagelneue Bäckerei mit weißen Fliesen. Ein Libanese hat hier Millionen investiert und dem originellen Einheimischen somit keine Chance gelassen. Schade…

Daneben wurde ein großzügiger Markt im europäischem Stil erbaut. Die Marktfrauen jedoch sitzen daneben im Schatten der Mangobäume! Es tut weh.
Wir machen eine Runde durch das Dorf: Besuchen Zacaria mit dem Medikamentendepot. Die inzwischen diplomierte Weberin Frau Bado und besichtigen deren 120 Schweine, für die sie auch ein staatliches Diplom erhielt. Und schließlich den Schneider, der an den neuen Kleidern für unsere Kinder arbeitet. Am selben Tag ist noch Markt im Nachbardorf Duna. Alles ist noch wie gehabt. Rückfahrt mit dem Moto durch die extrem schmalen Pfade der Reisfelder.
Zwei Patenkinder kommen zum Abendessen.

13.01.
Den einheimischen Goldschmieden bringe ich Werkzeug, Edelsteine und Silberlot. Vater und Sohn können es nicht fassen, dass sie dieses geschenkt bekommen. Zacaria wünscht sich ein Foto, um die von uns unterstützten mittellosen kranken Menschen bildlich festhalten zu können.

Peter arbeitet heute mit dem einheimischen Installateur und kommt sehtenttäuscht über die Arbeitsweise seines Kollegen zurück. Es fällt ihm schwer, dass was er erlebt hat, nicht mit Deutschland zu vergleichen.
Ein Teil der Fußballmannschaft holt die gespendeten Trikots und den Fußball ab. Wir probieren: alles passt!

14.01.
Ein besonderer Tag! Um 11.00 Uhr ist Einweihung des neuen Schulgebäudes für das Gymnasium.

4 Klassenzimmer, 1 Lehrerzimmer, das Ganze großflächig mit einem Zaun umgeben. Götz Krieger kommt mit Lisa, der Deutschen, die in Banfora ein soziales Jahr verbringt. Zunächst ist alles wie bei uns: Reden, Hände schütteln, Ehrungen. Dies jedoch immer wieder unterbrochen durch Musik, Tanz und Balafon Orchester.

Frauen tanzen mit Tonkrügen auf dem Kopf und akrobatische Maskentänzer wirbeln über den Platz. Am Gebäude selbst wird ein Band durchschnitten und eine Infotafel befestigt. Als Dank erhält Krieger einen Ziegenbock, Riesenkörbe mit Tomaten und Erdnüssen, traditionelle Kleider und handgeschmiedete Feldarbeitsgeräte.

Ich werde in meiner Funktion als Vertreter von TDE Allemange immer wieder erwähnt. Für alle Würdenträger findet auf dem Zeltplatz beim Solo ein gemeinsames Essen mit Musik und Maskentänzen statt, bei dem sogar unter 50 Anwesenden 4 Frauen zu finden sind. Finanziert wird das Ganze von der Gemeinde Sindou.
Am Abend treffen wir ein Mädchen, deren Oberkörper ohne Halt geschüttelt wird. Nachgefragt hören wir, dass wir nicht helfen können, da dieses Mädchen frisch aus der Krankenstation entlassen wurde und dies eine Reaktion auf die Behandlung sei.
Von einer Patientin habe ich den Auftrag einen Ring anfertigen zu lassen. Der Goldschmied hat jedoch kein Geld, um Silber zu kaufen und muss dafür 300 km fahren. Also werde ich das vorfinanzieren.

15.01.
Für heute ist eine Tour zu dem Pics de Sindou geplant. Die sind immer wieder sehenswert und jedes Mal gibt es Neues zu entdecken.

Am Nachmittag, wenn die Hitze erträglicher wird, sind wir zum Fußballspiel mit den Trikots aus Lomersheim eingeladen.

Deutsche Radfahrer kommen auf ihrer Tour in Sindou an. Es sind ältere Leute, die ganz begeistert sind.
Mit dem Elektriker bespreche ich den Kostenvoranschlag für die Stromversorgung der Ecole Primaire/ Grundschule.

16.01.
Ein Besuch beim Direktor dieser Schule, dem ich die schriftlichen und musikalischen Grüße der Öschelbronner Schule überbringe, löst große Freude aus. Auch bringe ich Schulbücher und Zeichengeräte.
Im Gymnasium versuche ich die Schüler in den oberen Klassen für neue Ideen und kreatives Denken, über die Schulzeit hinaus, zu motivieren. Ein Vater kommt und unterschreibt das Zeugnis seines Kindes mit einem Kreuz X.
Am Abend Fahrt mit den Motos zu einer ca. 5 km entfernten Schule. Ein Teil der Schule besteht aus einer Hütte – Holzstäbe umgeben von geflochtenen Matten bilden die Wände. Einfacher geht es nicht.

Einige der Kinder haben Paten und so wandern wir nach der Schule mit den Kindern durch eine Art Wald zu ihrem Dorf. Wir bringen Solarlampen und Kleider.

Mit Gummibärchen, auch für die Erwachsenen, verabschieden wir uns von einer sehr beeindruckenden Dorfgemeinschaft, die ihre Umgebung sehr sauber hält. Keiner in diesen abgelegen Dörfern bettelt. In der Nacht geht es zurück.

17.01.
Mit dem Auto des größten Kaufmannes von Sindou fahren wir nach Bobo. Dort kaufen wir das Basiswerkzeug für die Holzwerkstatt der Sonderschule von Solo. Außerdem ca. 20 Moskitonetze und Solarlampen für die neuen Patenkinder.

18.01.
108 Sporttaschen für die Geschenke der Kinder sind notwendig. Peter kauft 2 Toiletten, um sie im Campingplatz zu installieren. Für die Schulküche erwerben wir 2 große Sparkocher, im Durchschnitt ca. 120 cm, und 5 kleine Kocher für den Hausgebrauch. Dazu einen Topf für den Solarkocher, 30 Taschenrechner für die Gymnasiasten, 4 Bougainvillen, die für die farbige Ausgestaltung des Campingplatzes gedacht sind und beenden diese Einkaufstour.

19.01.
Der Mitarbeiter von Zacaria kommt aus dem Medienbereich. Er soll mit den 2 auf französische umgepolten Laptops, die ich ihm bringe, für Lehrer und andere Interessierte Kurse geben, die wir finanzieren werden.
Peter geht 7 km zu Fuß in das nächste Dorf, um für sich ein Fahrrad zu kaufen. Ich montiere einen Solarkocher.
Mit dem Moto nach Sindou Koroni (Wa Wa Da). Der von uns gebohrte Brunnen funktioniert ausgezeichnet. Trotz einer Tiefe von 43 m kann jedes Kind Wasser holen. Auch die Ummauerung ist gut gemacht.

Wir bringen Solarlampen und Kinderkleider. Die Menschen sind glücklich und sehr dankbar. Zwei stattliche Hähne dürfen wir als Dank mitnehmen. Für die Elektroinstallation der Grundschule bezahle ich das Material.

20.01.
Mit dem Maurer bespreche ich den Plan und den Kostenvoranschlag für die Schulküche. Wir fahren zu der Schule von Sindou Koroni, um 2 Kinder für die Dossiers als Patenkinder zu befragen. Im Dorf trinken wir Dolo (Hirsebier) und geben den Eltern Solarlampen und Schultaschen.
Beide Solarkocher sind fertig!

21.01.
Peter installiert die Toiletten und befestigt Waschbecken.
Langes Gespräch mit der Mutter eines Patenkindes über die großen Probleme mit der Tochter. Auch da spielt Mobbing eine wesentliche Rolle.
Blutzuckermessgeräte im Medikamentendepot erklärt und vorgeführt.
Der Mme. Bado Kinderkleider gebracht und erlebt, wie sie Mädchen im Weben unterrichtet.

Auch von Japanern wird eine Schule gebaut.
Am Abend bringt ein Mann aus Wa Wa Da auf dem Moto einen lebenden Schafbock als Dank für das Trinkwasser.

Ich würde ihn gerne, wie die 15 Hühner, weitergeben, doch ein Bock ist nicht gefragt – so landet er bei der Köchin.

22.01.
Der Schneider bringt die neuen Kleider für die Patenkinder. Wir ordnen sie zu und geben sie in die Sporttaschen, zusammen mit einem verschlossenen Briefumschlag an die Familien, mit jeweils 10000 CFA = 15,26 €.

Ich treffe eine ca. 20 köpfige Frauengruppe, gebe Anregungen und will hören, wo es Ansatzpunkte für Projekte gibt: Alphabetisierung, Französischkurse, Hühneraufzucht etc.
Zurück durch das ganze Dorf warten 60 Kinder auf ihre Geschenke. Wir weisen besonders auf die Unterstützung der Familien hin (wird kontrolliert). Ich mache Fotos. Hohe Politiker kommen zum Essen und Diskutieren. Wir laden die Kinder für Samstag zum gemeinsamen Essen ein.
Ich treffe ein Patenkind, das mit der Schule fertig wird und höre, dass er Medizin studieren will.

23.01.
Wir treffen eine Frau mit Säugling, dessen Gesicht von Geburt an total deformiert ist. Es kann nicht essen. Man fragt uns um Hilfe. Wir finanzieren die Fahrt zum Arzt nach Bobo und warten auf den ärztlichen Kostenvoranschlag für eine Operation.

Ein Solarkocher ist für die Grundschule, der andere für die Sonderschule von Solo gedacht.
Eine Fledermaus in meiner Hütte sorgt dafür, dass es keine Mücken gibt.

24.01.
Fahrt mit dem Moto und Koro, meinem Patenkind, nach Banfora, um zu fragen, ob sie in einem Mädchenheim aufgenommen werden kann. Alle, auch die Großmutter, sind gestorben und die Tante, bei der sie lebt, zieht weg. Wir treffen in dem Heim eine Schwester, die 2014 ein Jahr in einem deutschen Krankenhaus gearbeitet hat und sehr gut deutsch spricht.
In Sindou sind wir zu einer Lehrer-Eltern-Konferenz der Grundschule eingeladen. Alle, besonders die Ältesten, bedanken sich sehr für alles, was wir für die Schule getan haben.
Am Nachmittag kommen die kleinen Patenkinder zum Essen. Es gibt Couscous mit Fisch.

Dazu spielt das Balafon Orchester. Nach dem Essen tanzen die Kinder barfuß im Sand. Peter spielt mit ihnen und die Kinder haben sehr viel Spaß. In der Nacht spielt das Balafon Orchester weiter und die Jugend des Dorfes tanzt leidenschaftlich dazu.

Im Dorfzentrum, wo ein Fest der Animierten (Naturreligion) mit musikalischen Umzügen und Masken stattfindet, dass die ganze Nacht durchgeht und mit speziellen Ritualen auf dem Friedhof endet, verabschieden wir uns um 2.00 Uhr.

25.01.
Mit einer zweiten Frauengruppe denke ich über Entwicklungsprojekte nach. Man bedankt sich für den guten Willen. Man darf auf die Ergebnisse gespannt sein!

Ein Vater von Sindou Koroni bedankt sich mit einem Sack voll Jamwurzeln. Auch der Goldschmied bringt 2 Hühner. Alle werden als Basis zur Aufzucht an Patenfamilien weitergegeben.
Die Gymnasiasten kommen zum Essen. Ca. 50 Schüler werden von der Köchin verwöhnt. Dabei hatte sie einen 12-14 Stundentag und verdient 20000 CFA = 30,53 € im Monat. Vor dem Essen singen die Kinder die Nationalhymne. Sie werden alle satt.
Wir begleiten ein Mädchen zu seiner Peul Familie. Ein langer Weg zu den Hirten, die weit außerhalb des Dorfes wohnen. Eine andere Patenfamilie züchtet Hasen, etwas ganz Neues.
Der Kostenvoranschlag für die Operation des Säuglings erreicht uns.
Zwei Missionare aus Kamerun sind auf unserem Gelände. Ab 5.00 Uhr ertönt geistliche Musik aus ihrer Hütte.
Der Maurer hat das Fundament für die Schulküche fertig und benötigt Geld für weiteres Material.

In den Nächten bläst der Harmattan, ein starker Wüstenwind.

26.01.
Mit 3 Motos fahren wir in eine bergige Gegend, um an einer Schule Kinder für eine Patenschaft auszusuchen. Peter unterhält die Kinder mit deutschen Liedern.

Wir bringen Solarlampen und Kleider. In dem tiefen Sand bleibt mein Moto nicht immer senkrecht. Mit einem Huhn und einem halben Sack Reis fahren wir zurück. Über das Dorf der Schmiede nach Kankalaba fahren wir eine große Runde. Unter anderem müssen wir ein Flussbett durchqueren.
In Sindou wartet ein großer Karton mit grünem Salat als Dank auf uns. Es besucht uns ein Deutscher, der mit seiner BMW von Hamburg bis Sindou gefahren ist.

27.01.
Abschied von den Pics de Sindou. Da keine Touristen da sind, finden wir nur wenige Pfade durch das hohe Gras.

Wir lernen die Eltern und seine Lebensgefährtin kennen. Solo ist mit uns unterwegs und zeigt uns seine Schule und die Hühnerfarm. Wir benötigen sehr oft jemanden, der vom Französischen in Dula übersetzt.
Die Lehrer der Grundschule verabschieden sich mit schönem Stoff als Geschenk. In großer Runde, in der Teile vom Schafbock serviert werden, wird heiß über nationale und weltpolitische Themen diskutiert. Noch nie gab es so viel Dank und fast peinlich sind die vielen Geschenke. Peter verschenkt sein Fahrrad an eine Familie in Sindou Koroni. Ich kann den Wusch vom Goldschmied eine Ausstellungsvitrine zu finanzieren nicht erfüllen.

28.01.
7.00 Uhr Abfahrt von Sindou. Ankunft mit dem Bus um 20.00 Uhr in Ouagadougou.
Zacharias und sein Bruder besuchen uns. Er war bei einer Konferenz über Agrarwirtschaft.
Abflug 22.40 Uhr über Brüssel. In Öschelbronn um 11.00 Uhr.

Mit liebem Gruß
Siegfried Straub

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