25. Februar 2018 · Kommentare deaktiviert · Kategorien: Reiseberichte

Mit 4 Koffern à 23 Kilo, 2 Rucksäcken je à 8 Kilo und 2 gebrauchten Notebooks, so flogen zwei Menschen am 15. Januar 2018 nach Afrika, Burkina Faso. Nach der Ankunft in Ouagadougou ging die Fahrt am ersten Tag nach Norden. Dort wollten wir die Mutter von Marcel besuchen, einem Burkinabé der die Tochter von Frau Hoydem, Melanie, geheiratet hat. Frau Hoydem hat mich auf dieser Reise begleitet.

Jedoch zwischen Wollen und Können gibt es auch in Afrika kleine Unterschiede. Plötzlich war die Nationalstrasse von hunderten Schülern aller Altersstufen blockiert. Die Schüler streikten wegen der schlechten Bezahlung ihrer Lehrer. Es war kein Durchkommen möglich.

Nach langem Warten suchten wir einen Umweg über die Felder. Das war nicht der letzte Streiktag, so dass die Kinder in Burkina, also auch unsere Patenkinder, in diesem Trimester keine Zeugnisse erhalten. In vielen Gesprächen beklagten sich vor allem ältere Schüler bitter über diese Zustände und die verlorene Zeit.

Zu den 20 Moskitonetzen die der Lehrer Solo für die neuen Kinder besorgt hatte, brachten wir am nächsten Tag noch 32 Solarlampen mit nach Sindou. Das hätte mehr sein können, da wir die Nachfrage nach Solarlicht nicht restlos befriedigen konnten.

Nach sehr langer Fahrt kamen wir am zweiten Tag spät abends in Sindou an. Unterwegs kaufte ich noch 10 Taschenbücher für unsere Kinder, da es in der weiteren Umgebung keinen Buchladen gibt. In Sindou ist kein normaler Zugang zum Internet möglich, somit scheidet auch diese Infomöglichkeit aus.

Sehr gespannt war ich, was aus den geplanten Projekten geworden ist. Auf unserer Begrüßungsrunde kamen wir zuerst zum Nähzentrum*. Die Verwunderung über Größe und Baufortschritt waren groß! Der Rohbau steht. Vom Elektriker wurden die Kabel verlegt und schon wird mit dem Verputzen begonnen. Wer hätte das gedacht!

Direkt daneben, in einem größeren Abstellraum von Zacaria, wird für die Übergangszeit genäht. Die leitende Schneiderin freut sich auf den Umzug in das Ausbildungszentrum und auch einige Patenkinder äußern den Wunsch nach der Schulzeit eine Schneiderlehre beginnen zu wollen. Natürlich werden auch männliche Wesen als Lehrlinge eingestellt. Also gute Aussichten, eine kleine Lücke in den total fehlenden Ausbildungsmöglichkeiten zu schließen.

Der Gang zum Waisenhaus* war nicht weniger spannend und der Anblick dessen, was dort stand, noch eine Steigerung! Ja, sie hatten sogar die von mir vorgeschlagene Bauplanänderung, also die Trennung der Schlafräume und deren in drei kreisförmig angeordnete Gebäude, exakt  umgesetzt.

Aktuell wurde die Grube für Toiletten und Duschen ausgehoben, ungefähr 3 auf 5 Meter und mehr als 2 Meter tief. Alles Handarbeit, ohne Einsatz einer Maschine. Ohne Übertreibung gnadenlos hart. Ein Bagger ist nicht finanzierbar! Ohne dass ich es überprüfen kann, soll ein  Arbeiter etwa € 4,58 am Tag verdienen. Insgesamt 4 Gebäude, 3 als Schlafräume, eines als Küche und Verwaltungsgebäude. Der 80 Meter tiefe Brunnen* liegt zentral und die mit Solarstrom betriebene Pumpe reicht, um das Trinkwasser zu dem abseits gelegenen Speicher in 6 Meter Höhe zu pumpen. Damit sind bis jetzt alle Wünsche erfüllt.

Auch die einzelnen Gebäude werden, wenn die Finanzierung von unserer Seite möglich ist, mit Solarstrom versehen. Ach ja, es ist noch viel zu tun! Und Vieles wird möglich, wenn Spender bereit sind uns zu unterstützen.

Langsam treffen die neuen Kleider vom Schneider für die Patenkinder ein. Wir sortieren, versehen sie mit Nummern und legen die Briefe an die Familie und die Grüße von den Paten bei. Leider fehlen mehr als 60 Briefe von den Paten, so dass wir sie selbst schreiben ….

Gerne hätte ich mit den jugendlichen Patenkindern, die das Gymnasium besuchen, die Zuckerfabrik in Banfora besichtigt, um ihnen einen kleinen Einblick in das Berufsleben zu ermöglichen. Doch leider stimmen die Öffnungszeiten mit den Schulzeiten nicht überein. Ein alternativer Betrieb  liegt 200 Km entfernt. Schade … So fahren wir mit den zirka 65 Älteren wieder zu den Wasserfällen, was auch in diesem Jahr sehr gut ankommt. Ein abschließendes Picknick rundet das Ganze ab.

Die jüngeren Patenkinder laden wir zum gemeinsamen Essen ein. Da viele mit dem Motorad gebracht werden müssen, sind es insgesamt etwa 100 Personen. Reis mit Fisch und ein Getränk ihrer Wahl begleitet von Ballafonmusik gibt dem Ganzen einen festlichen Charakter. Die Kinder tanzen. Bis kurz vor Mitternacht schwingen auch die Älteren aus dem Dorf das Tanzbein.

Mit dem Motorrad besuchen wir die Patenkinder in den umliegenden Dörfern. Am weitesten entfernt, mit 25 km, liegt das Dorf Tourny. Wir bringen Solarlampen und Moskitonetze. Auch ist immer ein Rucksack, gefüllt mit Kleidern für die Kleinsten des Dorfes mit dabei. Bedingt durch den teilweise sehr tiefen Sand bleibt mein Gefährt nicht immer senkrecht, so dass noch heute Spuren an meinen Beinen sichtbar sind! Glücklicherweise hat mich trotzdem ein Schutzengel begleitet.

Auch der Besuch im Alphabetisierungszentrum für Frauen* in Dinaoro hat gezeigt, dass die Mitarbeiter vor Ort auch mitdenken. Neben Schreiben, Lesen und Rechnen lernen sie jetzt wie man aus der Kariténuss Seife herstellen kann, eine sehr sinnvolle, praktische Tätigkeit als Abwechslung.

Die vor einem Jahr installierte Solarbeleuchtung für die Grundschule funktioniert tadellos. Also nicht überall geht es chaotisch zu.

Die 4 Fussbälle, mehr hatten im Gepäck keinen Platz, kamen in den Schulen sehr gut an und die Nachfrage, auch von den Jugendlichen, kannte keine Grenzen. Auch die 5 von den Paten finanzierten Fahrräder haben bei vielen den Wunschkatalog erweitert! In diesem Zusammenhang sei noch angemerkt, dass beim Übersetzen der Briefe von Seiten der Kinder auffallend oft der Wunsch nach einem Fahrrad geäußert wurde; ein neues Rad kostet ca. € 80.

Zwei Wochen lang hatten wir blauen Himmel und Sonne pur. Dann kam der Wüstenwind Harmatan, bedeckte den Himmel mit feinstem Sand und aus der Hitze wurde Schwüle, auf Dauer schwer zu ertragen.

Abgesehen von den in der Vergangenheit verübten Attentaten, ist die politische Lage ruhig. Auch kann man nicht von religiös bedingten Spannungen reden, berücksichtigt man, dass es in einem muslimisch dominierten Land, die christlichen Religionen nicht einfach haben.

Für uns Weisse sind die vielseitigen Nachfragen um Hilfe nicht immer einfach zu beantworten. Betteln wie in den touristischen Ländern Nordafrikas kennt man in Burkina Faso nicht. Da die Menschen ausschließlich von der Landwirtschaft leben, hatte meine Frage nach dem Ergebnis der Ernte eine für viele existenzielle Seite ihres Lebens berührt. Noch nie in den vergangenen Jahren war die Antwort so negativ wie jetzt. Von wenigen Ausnahmen abgesehen waren die Erträge 2017 um die Hälfte geringer als üblich. Die Ursache: kein Regen in der Wachstumsphase. Also, welche Frau kann jetzt mit den Überschüssen zum Markt? Auf finanzielle Probleme bei Krankheiten angesprochen erklärten sie, dass die Tiere ihre Bank seien …

Besondere Feste, mit vielen Masken, Musik und Tanz, auch der Frauen, feierten die Animisten (Naturreligion) mit sehr vielen Zuschauern.

Rückblickend darf ich mich bei Solo für die Betreuung die Patenkinder bedanken, Zacaria für die Bereitstellung des Geländes und die Beaufsichtigung der Bauarbeiten für das Nähzentrum, Madame Bado für alles, was sie für das Waisenhaus tut und Frau Hoyden für Ihre Begleitung und Unterstützung.

Euch Allen, die Ihr „ERDE DER KINDER“ unterstützt, ganz herzlichen Dank! Auch freuen wir uns über jeden Spender der das Waisenhausprojekt unterstützt.

Im Februar 2018,
Siegfried Straub

* die erwähnten Projekte werden ausschließlich durch Spenden finanziert

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