09. März 2012 · Kommentare deaktiviert · Kategorien: Reiseberichte

Liebe Paten und Freunde der Kinder von Sindou,

gesund und mit vielen Eindrücken sind wir zurück aus Westafrika. Auch organisatorisch hat alles gut funktioniert, sodass wir mit öffentlichen Verkehrsmitteln und Motos letztendlich unsere Ziele erreichten.

Angereist sind wir mit 4 sehr großen Koffern und ca. 70 kg Geschenken für die Patenkinder. Von Ouagadougou aus sind wir zuerst in Richtung Süden nach Gaoua gefahren, an der Grenze zu Ghana und der Elfenbeinküste gelegen. Dort wollte ich, als Goldschmied, sehen wie man in Burkina Faso nach Gold gräbt. Ein Tag in so einem Hüttendorf, ein Blick in ein Loch von 10, 20 oder 30 Metern Tiefe, mit einem Durchmesser von ca. 1,20 m, unten ein kleines, sich bewegendes Licht einer Taschenlampe und ein Blick in die Augen derer, die aus diesen Löchern kriechen, wird man nie mehr vergessen.

Auch der Besuch in einem Sacré-Zentrum für traditionelle Fetischheilkunde, in finsteren Verliesen, nur auf Knien erreichbar, mit hunderten sehr spezieller, stark verstaubter Figuren gibt uns viele Rätsel auf.

Eine halbe Nacht beim Mechaniker zu verbringen, der versucht den lecken Benzintank unseres Motos zu schweißen, gehört zu Afrika.

Nach diesem Abstecher fahren wir über Bobodiolasso nach Sindou; Ankunft um Mitternacht. Am nächsten Tag, Heiligabend, kommen 40 Patenkinder morgens 10 Uhr um uns zu besuchen. In Schulkleidung – ein schönes Bild. Ich stelle uns, Urs und Heidi vor, erzähle aus meinem Leben, die Kinder können Fragen stellen. Zur Auflockerung singen wir gemeinsam. Am Ende kommt jedes Kind zu mir in eine stille Ecke um seine Geschenke abzuholen und von mir zu hören, was ich von den Paten zu berichten habe. Die Kinder sind sehr schüchtern und auffallend klein gewachsen.

In den nächsten Tagen besuchen wir mit Solo die Kinder, die keinen Strom in ihren Hütten haben, um die mitgebrachten Solarlampen vorzuführen und zu installieren. Die Begegnung mit den Geschwistern, und manchmal mit einem noch lebenden Elternteil, und der unbeschreiblichen Einfachheit ihrer Einrichtung, bestehend aus einigen Aluminiumschüsseln un einer geflochtenen Matte auf dem Boden. Kein Wasser, kein Abwasser, keine Toiletten, nichts. Jeden Tag auf der Suche nach Feuerholz, stampfen mit dem Mörser; Hirse, Reis oder Mais.

Der tägliche Kampf ums Überleben könnte in diesem Jahr noch dramatischere Auswirkungen haben, da der Regen in der Wachstumsphase der Pflanzen ausblieb und die Ernte lange nicht ausreicht. Noch schlechter wird die Situation Richtung Mali. In der Sahelzone steht schon jetzt, vor der Hitzeperiode, über hunderte Kilometer kein Halm mehr zum Fressen für die Tiere. Die Lebensgrundlage dieser Menschen ist bedroht. Betroffen sind vor allem die Fulbe, der Stamm der Hirten. Ein nicht zu unterschätzender Faktor ist das Ausbleiben der Touristen, die durch Presse und Auswärtiges Amt vor übertriebener Gefahr warnen.

Trotzdem sind die Menschen sehr freundlich, hilfsbereit und offen für Gespräche. Soweit sie, bei ca. 60 Landessprachen, in der Schule waren oder anderweitig französisch lernten.

Der Heiligabend bei uns wurde von einem Balafon-Orchester (Percussion) bis weit nach Mitternacht gestaltet. Es tanzte die Dorfjugend, immer jeder für sich.

Vor unserer Hütte, auf einem sehr urigen Markt, kauften wir für 40 Kinder Stoffballen, um sie von dem Dorfschneider maßgerecht neu einzukleiden. Auch habe ich den Grundstock für eine Kinderkrankenkasse gelegt. Sie wird vom Lehrer Solo verwaltet und mit mir abgerechnet.

Ein Besuch in der Schule, eine Klasse wurde trotz Ferien auf die anstehende Prüfung vorbereitet, hat durch die beispielhafte Disziplin beeindruckt.

Mit Motos, geführt von dem Lehrer Solo, erkundeten wir jeden Tag die nähere und weitere Umgebung von Sindou. Nicht ganz einfach zu verkraften ist der allgegenwärtige Staub, der selbst meinem Fotoapparat so zusetzte, dass es Funktionsstörungen gab.

Viele Bilder warten darauf geordnet und vervielfältigt zu werden. Wenn es soweit ist, das ich damit einen Abend gestalten kann, hören Sie von mir.

Mit einer Fahrt nach Djenne und Bandiagara in Mali haben wir unsere Reise in Ouaga abgeschlossen. Sehr, sehr viele menschliche Begegnungen führen dazu, dass mancher Kontakt bleiben wird.

Begeistert hat uns nicht zuletzt der Solo, unser ständiger Verbindungs- und gleichzeitig Vertrauensmann. Seine Willenskraft und sein Engagement sind beispielhaft für uns und Afrika.

Soweit ein bruchstückhafter Reisebericht, der nur einen ganz kleinen Einblick in unsere Reiseerlebnisse und die afrikanische Welt ermöglicht.

Projekte die anstehen:

1) Mühle und Presse für die Verarbeitung der Kariténuss (Frauenselbsthilfe).
2) Webstuhl für eine Weberin, die den Mädchen des Dorfes das Weben lehren möchte.
3) Dachabdeckung für die Hütte, der Köchin bei Solo, die einzustürzen droht.
4) Aufstockung der Kinderkrankenkasse.

Ganz herzlichen Dank an Sie alle für das was Sie für die Kinder in Sindou tun und getan haben. Ihre Hilfe ist wirklich gut angebracht.

Mit freundlichen Grüßen,
Eliane und Siegfried Straub

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